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In dieser Ausgabe möchten wir Ihnen eine
Region voller Gegensätze nahe bringen, ein Gebiet zwischen Brauchtum und
Massentourismus, zwischen traditionellem Handwerk und klimatisierten
Einkaufszentren, zwischen Salzpfannen und Fast Food, zwischen Windmühlen
und künstlich bewässerten Golfplätzen, zwischen alten Fischerbooten und
modernen Yachten.
Begleiten Sie uns auf der Reise in geschichtsträchtige Gemeinden, die
sich der modernen Entwicklung zwar öffnen, aber in denen weiter
Traditionen am Leben erhalten werden. Kommen Sie mit uns auf den
höchsten Berg im Osten Fuerteventuras und genießen Sie den Blick auf den
unvergleichlichen Naturraum.
Profitieren Sie schließlich auch von allen
Vorzügen und Annehmlichkeiten einer jungen, touristisch geprägten Region
mit ihren herrlichen, geschützten Sandstränden. Lernen Sie die mühsame
Methode der Salzgewinnung kennen, tauchen Sie ab in längst vergangene
Zeiten der Ureinwohner und genießen Sie die Ruhe und gleichzeitig die
spannende Tierwelt ihrer und unserer Lieblingsinsel Fuerteventura!
Beginnen möchten wir unsere Reise
entsprechend auch in der ältesten Siedlung der Region, dem Städtchen
Antigua im Landes-inneren. Die Siedlung ist zugleich auch Namensgeber
des Municipios (des Verwaltungskreises), in dem wir uns während der
ganzen Fahrt bewegen.
ANTIGUA
Antigua ist der drittgrößter Ort in der
zentralen Ebene und liegt mitten in einem weiten Tal, ziemlich genau im
geographischen Zentrum der Insel. Die Gemeinde, die etwa 3.000 Einwohner
zählt, wird als der „Wiege des Brauchtums“ bezeichnet. Trotzdem hat sie
beinahe städtische Atmosphäre mit ihrem kleinen, aber ansehnlichen
Zentrum mit einigen Boutiquen und Geschäften sowie einer Markthalle.
Das Motiv, das man aber am häufigsten mit
Antigua in Verbindung bringt, ist die eindruckvolle, restaurierte
Windmühle am nördlichen Ortseingang. Insgesamt wirkt Antigua eher
lebendig, nahezu in Aufbruchsstimmung. An vielen Enden des
unübersichtlich wirkenden Ortes werden neue Häuser gebaut, einige der
älteren wirken herausgeputzt wie für ein Volksfest. Bei Nacht lassen die
neuen, aber antik wirkenden Straßenlaternen die weiße Farbe der meisten
Häuser eigentümlich leuchten.
Historische Entwicklung
Antigua gehört zu den ältesten Ortschaften
der Insel, war aber nach der spanischen Eroberung gegen Ende des 15.
Jahrhunderts nur sporadisch — während der Aussaat und der Ernte —
bewohnt. Das Tal bot verhältnismäßig günstige Niederschläge und
natürliches Wasservorkommen. Der zudem sehr fruchtbare, rote Lehmboden
prädestinierte Antigua für die Landwirtschaft auf Fuerteventura.
Da aber die Lehnsherren während des
Feudalsystems im damaligen Regierungssitz Betancuria bei potentiellen
Angriffen genügend Verteidigungskraft in der Hauptstadt haben wollten,
bestand für die Bauern die Pflicht, in unmittelbarer Nähe zur Stadt zu
wohnen.
Mitte des 16. Jahrhunderts setzte eine Einwanderungswelle aus Andalusien
ein. Etliche dieser Festlandspanier siedelten sich nun dauerhaft in
Antigua an. Man vermutet, dass auch der Ortsname auf die Immigranten
zurückzuführen ist, da im andalusischen Sevilla die Kirche “Sta. Maria
de la Antigua” stand, unter deren Schutz sich die Einwanderer somit
gestellt haben könnten. Dafür spricht auch die Statue der “Heiligen
Jungfrau” (der “Virgen de la Antigua”) in der heutigen Kirche, deren
Existenz auf der Insel bis ins Jahr 1626 zurück nachgewiesen werden
kann. Die Kirche selbst stammt aus dem Jahre 1785.
Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte
überflügelte Antigua die Hauptstadt Betancuria in wirtschaftlicher
Hinsicht. Dafür sorgten einerseits die hohe landwirtschaftliche
Produktion (zunächst vor allem Getreide) und andererseits die zentrale
Lage zwischen der Ostküste und der Hauptstadt. Im 18. Jahrhundert war
Antigua die reichste und am stärksten bevölkerte Urbanisation der Insel.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Standortes nahm Ende des 18.
Jahrhunderts durch die Entdeckung der Nutzbarkeit der
„Barilla“-Pflanze zu: Diese früher als „Cofe“ oder „Cosco“ bezeichnete
Wildpflanze wurde zur Herstellung von Soda genutzt. Zuvor diente die
extrem trockenresistente und Salz liebende Pflanze in den zahlreichen
Dürrejahren (im 18. Jahrhundert gab es sage und schreibe 52 trockene
Jahre) als Ersatz für Getreide und wurde zu “Gofio”, dem früheren
Grundnahrungsmittel der Majoreros (normalerweise geröstetes und
gemahlenes Getreide aus Mais oder Weizen) verarbeitet. Daher kam es in
Dürreperioden zu zahlreichen Konflikten zwischen den Exporteuren und der
hungernden Bevölkerung. Als Folge der hohen Gewinne, die man mit dem
Barilla-Export erzielen konnte, wurden viele Getreidefelder umgewandelt
und die Wildpflanze hier kultiviert. In dieser Phase wurde auch der Bau
der Kirche, der „Iglesia Nuestra Señora de la Antigua“, abgeschlossen.
Anfang des 19. Jahrhunderts schlossen sich
in Antigua Großbauern und aufstrebende Unternehmer zusammen, um gegen
die Feudalherrschaft vorzugehen. Es kam zu heftigen bewaffneten
Auseinandersetzungen, die erst durch das Eingreifen des Militärs von
Teneriffa geschlichtet werden konnten. Als Sieger aus den
Erschütterungen der Feudalstrukturen ging der Coronel (Oberst) hervor,
der einige Jahre vor der Schlichtung von 1815 durch geschickte
Schachzüge Ankaufsmonopole für landwirtschaftliche Produktionsgüter
erworben hatte. Daher ging in den Folgejahren ein Großteil des Gewinns
aus dem Export an die Familie Cabrera Béthencourt (die vom Eroberer
Fuerteventuras, Jean de Béthencourt, abstammte), und somit an den Clan
des Coronels in La Oliva. Daher war es vornehmlich der ärmere Teil der
Bevölkerung, der auch im nächsten Jahrhundert von mehr als 30 Dürrejahre
betroffen war. Hieran änderte auch die Einführung der Schöpfradbrunnen
wenig, welche die Grundwasserreserven ein wenig besser nutzbar machten.
Im Jahre 1834 kam es durch das Königshaus in
Spanien endgültig zur Auflösung der Feudalstrukturen. Antigua, der Sitz
der ersten offenen Revolte gegen dieses System, wurde zur Hauptstadt
Fuerteventuras erklärt, doch bereits ein Jahr später ging der
Verwaltungssitz an La Oliva über, dem Sitz des Militärregiments unter
den nach wie vor einflussreichen Coroneles.
Doch auch La Oliva blieb die Ehre nicht lange erhalten. Mit der
zunehmenden Bedeutung des Handels und somit auch der Hafenstädte wurde
1860 das damalige “Puerto de Cabras” zur Inselhauptstadt und blieb es
bis heute — allerdings seit 1956 unter dem Namen “Puerto del Rosario”.
In jenen Jahren zählte Antigua immerhin
recht stattliche 1.911 Einwohner. Darin war schon ein leichter Rückgang
enthalten, denn ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann eine schwere
Zeit für die Majoreros: Weitere Dürrejahre, die Entwicklung von
künstlichem Soda sowie der künstlichen Farbstoffe, die der
zwischenzeitlichen, gewinnbringenden Nutzung der „Cochenille“-Schildlaus
(für roten Farbstoff) ein Ende bereitete, beraubte viele Menschen ihrer
Lebensgrundlage.
Die Einführung der Metall-Windmühlen, die
damals in Amerika erfolgreich zum Schöpfen des Grundwassers aus
Tiefbrunnen
eingesetzt wurden, sorgte im 20. Jahrhundert für eine leichte
Entspannung der Lage auf dem Agrarsektor. Mit Hilfe dieser „Molinos“
wurden im großen Stil Tomaten und Alfalfa (Luzerne) angebaut, doch
später musste man feststellen, dass die Region für diese beiden
Anbausorten weniger geeignet ist, so dass man bald auf die Aloepflanze
setzte — mit großem Erfolg. Zur Steigerung der Wassermenge wurden so
genannte “Gavias” angelegt, eine Art Miniatur-Staudamm, um die wenigen
Niederschläge optimal nutzen zu können. Trotzdem dauerte es bis nach
1980, ehe die Bevölkerungszahl wieder über 2000 Bewohner lag.
Sehenswürdigkeiten
Das Zentrum Antiguas wird bestimmt von der
kleinen, aber sehr schönen, einschiffigen Kirche. Die “Iglesia Nuestra
Señora de la Antigua” mit ihrem Glockenturm mit rundlicher Kuppel wurde
im Jahre 1785 fertig gestellt und leuchtet heute den Besuchern in
strahlendem Weiß entgegen.
Im Inneren fällt als erstes die dunkle
Holzdecke aus kanarischer Kiefer auf. Das dauerhafte Holz wurde damals
extra aus Teneriffa importiert. Die Decke ist dem Mudéjar-Stil
zuzuordnen, einer Mischung aus maurischen Stil und Einflüssen aus Gotik
und Renais-sance. Das Wort leitet sich von „Madaijan“ ab, dem arabischen
Wort für „Unterworfene“ und stammt von den Mauren, die nach der
Rückeroberung des spanischen Festlandes vor Ort blieben. Die Mehrheit
von ihnen lebte in Andalusien, so dass im Zuge der oben angesprochenen
Auswanderungswelle auch zahlreiche Mauren nach Fuerteventura kamen, wo
sich der Baustil schnell mit einheimischer Bautradition verband und sich
fortan zum so genannten „Kanarischen Stil“ weiterentwickelte.
Der Hauptaltar besteht aus bemaltem
Kalksandstein, welcher dadurch an kostbareren Marmor erinnern soll. In
einer Nische steht die erwähnte Statue der Jungfrau von Antigua, doch
zuerst fällt einem das großformatige Gemälde des “Jüngsten Gerichts” ins
Auge. Insgesamt gibt es vergleichbare Werke elfmal auf der Insel, doch
nur in Antigua und Téfia wurde auf eine Darstellung der Hölle
verzichtet.
Vom einstigen Reichtum Antiguas zeugen auch
einige der alten Herrenhäuser. Mitten im Zentrum steht beispielsweise
eine türkisfarbene Jugendstilvilla aus dem 19. Jahrhundert, die hinter
einigen herrlichen Opuntien aufragt. Interessanterweise findet man kaum
100 Meter weiter östlich das genaue Gegenteil: Dort steht die Ruine
eines alten Bauernhauses. Dies verdeutlicht einerseits die damaligen
Standesunterschiede und lässt andererseits den wirtschaftlichen Verfall
während der Landwirtschaftskrisen erahnen. Aber gerade diese unheimliche
Wirkung, die von der Ruine ausgeht, ist das, was auch den Reiz Antiguas
ausmacht.
Hauptanziehungspunkt Antiguas ist allerdings
das 1997 eröffnete “Centro de Artesanía”, das Kunsthandwerkszentrum mit
dem Namen “Molino de Antigua”. Wie diese Bezeichnung vermuten lässt,
steht auf dem Gelände eine restaurierte Getreidemühle, die ein
fantastisches Fotomotiv hergibt. Man kann die Mühle auch betreten und
sich von der einfachen, aber damals doch bahnbrechenden Erfindung
überzeugen und sich das Mahlen des „Gofios“ förmlich vorstellen.
Gegenüber befand sich früher das Lagerhaus,
das in den achtziger Jahren von dem Künstler César Manrique von
Lanzarote zu einem Restaurant umfunktioniert und umgestaltet wurde.
Genießen Sie in diesem überaus gelungenen Ambiente Kaffee und Kuchen
oder probieren Sie die empfehlenswerten Speisen der jetzt integrierten
Restaurantschule.
Aber das Areal an der Straße nach Norden in
Richtung Inselhauptstadt hat wesentlich mehr zu bieten: Im “Pueblo
Majorero” sind Funde der Ureinwohner, besonders aus einer Höhle bei
Villaverde ausgestellt: Reste von Tonkrügen, Keramik, Schmuck und alte
Werkzeuge lassen das Leben in der Zeitspanne zwischen dem 3. und 14.
Jahr-hundert etwas lebendiger erscheinen. Dazu tragen auch die
menschlichen Überreste eines Mannes und eines Kindes aus dieser Zeit
bei, die in einem ovalen Grab gefunden und geborgen wurden. Die
Schautafeln der Ausstellung sind zwar auf Spanisch, doch liegt eine
deutsche Übersetzung aus.
Gehen Sie auf die großzügige Dachterrasse
des Gebäudes, das einem alten Gutshof nachempfunden wurde, und genießen
Sie den Ausblick auf die Umgebung Antiguas und den fantastischen Garten,
der auf dem Gelände angelegt wurde: Hier findet der Betrachter
Drachenbäume und Sukkulenten (Wasser speichernde Pflanzen) aus Mexiko,
Afrika und auch Fuerteventura. Selbstverständlich fehlt auch die Aloe
nicht.
Das eigentliche Kunsthandwerkszentrum ist
täglich von 9:30 bis 17:30 Uhr geöffnet (außer Mo und Sa) und befindet
sich in einem renovierten Gutshaus mit Balkongalerie im Mudéjar-Stil.
Hier werden Produkte der örtlichen Kunsthandwerkervereinigung “Mafasca”
verkauft, welche auch Kurse für Arbeitslose veranstaltet und so das alte
Handwerk wieder aufleben lassen will.
Nebenan werden in Filmen die verschiedenen Techniken im Fischfang, aber
auch im Töpfern, Flechten, Sticken und vielem mehr veranschaulicht.
Höhepunkt des Jahres ist entsprechend auch
die große Kunsthandwerksmesse (meist Ende Mai), die so genannte “Feria
Insular de Artesanía”. Hier werden dann sogar Produkte der gesamten
Kanaren feilgeboten und Arbeitsdemonstrationen veranschaulichen die
mühsame Handarbeit, die hinter den Produkten steckt. Natürlich darf auch
das Drumherum nicht fehlen: Folkloredarbietungen und der beliebte
kanarische Ringkampf “La Lucha Canaria” dürfen bestaunt werden und
belegen, warum Antigua als “Wiege der Tradition” Fuerteventuras
bezeichnet wird. Auch beim La Lucha stellt Antigua den ältesten
Ortsverein. Die besten in diesem Sport beherrschen alle der 43 erlaubten
Griffe in dem als Kampfarena dienenden Sandkreis mit 10 Metern
Durchmesser.
Das “Licht von Mafasca”
Es handelt sich um eine der kanarischen
Sagen und Legenden, die zusammen mit weiteren Erzählungen von Domingo
Baéz zusammengetragen wurden: Ein Mann namens Pedro streifte durch die
Gegend, wo er eines Tages auf eine Dame ohne Begleitung stieß, die er
mit Gewalt nehmen wollte. Sie sagte ihm, sie sei eine Jungfrau und würde
ihn in einen Adler verwandeln, wenn er nicht von ihr ließe. Doch das
hielt Pedro nicht davon ab und so verwandelte ihn die Dame nach der
Vergewaltigung in einen Adler. Er soll dann etwa 60 Kilometer geflogen
sein, wo er abstürzte und zurückverwandelt wurde. Aus Hunger beging er
dann die zweite Sünde: Er tötete einen Schafbock und briet das Fleisch
aus Mangel an Holz mit einem in der Nähe aufgestellten Grab-kreuz — eine
Gotteslästerung. Er starb daraufhin und soll bis heute in der Ebene von
Mafasca (südlich von Antigua) den Leuten bei Neumond als Irrlicht
erscheinen.
Jüngste Entwicklung
Lange Zeit passierte nicht viel in Antigua.
Gutshäuser und Windmühlen verfielen zusehends, wurden aber, genau wie
einige Straßen, mit Hilfe von Geldern aus der EU restauriert. Der
finanzielle Regen ließ auch die Landwirtschaft neu erblühen und
Grünflächen entstehen. Der Anbau von Wintergetreide und Alfalfa
(Luzerne) wurde wieder forciert, um so auch das touristische Potential
zu erhöhen. Durch die intensive Bewässerung sank allerdings der
Grundwasserspiegel, wodurch mitunter Meerwasser in das
Süßwasserreservoir einsickern kann und dieses nach und nach versalzt.
Daher mussten die Felder nach zweijähriger Nutzung 10 Jahre brach
liegen. Die Lösung heißt „goteo“, eine sehr aufwendige
Tröpfchenbewässerung, die auf vielen Feldern praktiziert wird.
Getreide ist aber nicht die Hauptstütze der
Landwirtschaft Antiguas: Die größte Anbaufläche weist die Aloe Vera auf,
deren Extrakte vielen Urlaubern und Einheimischen schon u.a. über
Sonnenbrände und trockene Haut hinweggeholfen haben. Aloe ist die
Pflanze, die mit den klimatischen Bedingungen der Region am besten
zurechtkommt. Das eindrucksvollste Bild über den Anbau wird einem etwa 5
Kilometer südlich von Antigua, in Valles de Ortega vermittelt. Hier
befindet sich eine große Aloe-Vera-Plantage mit angeschlossener Fabrik,
die sich auch besichtigen lässt.
Weiterhin werden Melonen, Linsen,
Kartoffeln, Zucchini und Kürbisse angebaut. Darüber hinaus wird in
Antigua natürlich, wie überall auf Fuerteventura, Ganadería, also
Viehzucht betrieben. Ziegen sind auch hier ständige Wegbegleiter, vor
allem abseits der üblichen Touristenpfade.
Antigua ist berühmt für seinen Ziegenkäse,
zwei ortsansässige Sorten der zahlreichen Variationen des Milchprodukts
konnten auf der diesjährigen FEAGA, der Landwirtschaftsmesse, den
jeweils ersten Platz belegen. Vor Ort gibt es mehrere Möglichkeiten,
sich mit dem würzigen Produkt einzudecken. Insgesamt sind aber nur noch
knapp 2 % aller Beschäftigten des Municipios in der Landwirtschaft oder
im Fischfang tätig (dem so genannten Primären Sektor des
Arbeitsmarktes).
Zukunftsplanung
Antigua soll auch weiterhin in seiner
traditionellen Art erhalten werden und nicht auf den
Übernachtungstourismus setzen.
Es soll aber den Wanderfreunden unter den Urlaubern näher gebracht
werden, wofür jetzt Wanderpfade (mit Kilometerangabe
und Schwierigkeitsgrad) ausgewiesen werden. Entsprechend wird es in
Antigua auch weiterhin keine Hotelburgen geben, zum Übernachten sind die
so genannten “Hoteles Rurales”, restaurierte Landgasthöfe, aber sehr zu
empfehlen.
Auch die Landwirtschaft im Großraum Antiguas
soll weiterhin erhalten und gefördert werden.
Der große Platz vor der Kirche, der mit
seinen Schatten spendenden Lorbeer- und Drachenbäumen zum Verweilen
einlädt, soll bis zum Jahr 2006 mit Hilfe der Öffentlichen Hand saniert
werden. Dabei stammen 50% der Mittel von der kanarischen Regierung,
25 %
steuerte die Inselregierung, das „Cabildo“ von Fuerteventura bei und den
Rest stemmte das Ayuntamiento (die Gemeinde-verwaltung) selbst.
TRIQUIVIJATE
Wenige Kilometer östlich liegt die kleine
Siedlung Triquivijate, über die in älteren Reiseführern geschrieben
steht, dass sie zu verfallen drohte. Inzwischen erstrahlt der Ort aber
wieder in neuem Glanz, wofür sich vor allem viele kapitalstarke
Ausländer, die in das Örtchen zogen, verantwortlich zeigten, da die
meisten von ihnen die alte Bausubstanz erhalten und durch Renovierung
aufgewertet haben. Zu den Zugezogenen gehören auch zahlreiche Deutsche,
wie beispielsweise Thomas Makat und seine Familie, die den örtlichen
Schlachterbetrieb ihr Eigen nennen können und sogar über die
Inselgrenzen hinaus ihre süddeutschen Spezialitäten verkaufen. Als sie
vor 10 Jahren nach Triquivijate zogen war der Ort lediglich ein kleines
Dorf mit einigen wenigen Häusern.
Die ursprüngliche Dorfgemeinschaft ist nach wie vor vorhanden, doch
wissen viele der „Neu-Triquivijater“ nichts von der Existenz des
Gemeindehauses mit seinen zahlreichen Freizeit- und
Weiterbildungsmöglichkeiten. Vielleicht haben viele der Zuzügler aber
auch wenig Interesse, am Dorfleben teilzunehmen oder sehen ihre Häuser
lediglich als Feriendomizile. Im Moment sind es vor allem englische
Immobilienfirmen, die zum Teil prächtige Neubauten errichten, um sie
später an Interessenten zu verkaufen.
Triquivijate ist aber auch für Durchreisende interessant, vor allem die
Kirche des Schutzpatrons der Bauern “San Isidro” im Zentrum der Siedlung
weiß zu gefallen. Sie ist recht klein und fällt zunächst kaum ins Auge,
aber gerade das macht ihren Reiz aus. Denn wenn man sie näher
betrachtet, besitzt das strahlend weiße Gebäude hinter einer ebenso
makellosen Mauer eine angenehm beruhigende Wirkung.
Auch durch die Tatsache, dass die Siedlung am Fuße des höchsten Berges
im Osten Fuerteventuras, dem “Rosa del Taro” liegt, ist ein Abstecher
nach Triquivijate durchaus lohnenswert. Wer sich etwas mehr Zeit für die
Gemeinde nehmen möchte, der kann sich eines der 12 Zimmer in der “Casa
Rural Piedra Blanca” mieten und die Umgebung vielleicht auch auf dem
Rücken eines Pferdes erkunden. Ausritte bieten Barbara und Carlos an.
Ihren Reitplatz kann man rechts von der Straße Richtung Norden, kurz vor
dem Restaurant “La Finca”, in einer Senke erkennen.
Rosa del Taro (593 m)
Das Gasthaus “La Finca“ ist auch Ausgangspunkt zu unserer Wanderung auf
den Gipfel des „Rosa del Taro“. Ab hier fährt man auf der FV 430
Richtung Puerto del Rosario circa 2 Kilometer, wo dann an einer scharfen
Rechtskurve eine Schotterpiste nach rechts abzweigt. Auf dieser kann man
noch einige hundert Meter weit fahren und dann am Rand problemlos
parken. Von hier lässt sich der Gipfel in etwa einer Stunde erklimmen.
Allerdings sollte man doch etwas Kondition mitbringen, und auch festes
Schuhwerk und genügend Wasser sollte mit von der Wanderpartie sein. Vom
Wagen aus geht's zu Fuß weiter in östlicher Richtung. Man durchquert
einen kleinen Barranco (ein ausgetrocknetes Flussbett) und orientiert
sich einfach an dem höchsten Punkt, den man im Auge hat (der eigentliche
Gipfel liegt kurz dahinter).
Die folgenden Minuten überwindet man einige Höhenmeter, weshalb die
Expedition als mittelschwer einzuschätzen und nicht un-bedingt für
Kinder geeignet ist. An einem kleinen Steinhaufen kann man eine Rast
einlegen und den ersten Ausblick genießen. Anschließend kommt noch
einmal ein steiles Zwischenstück, bevor es dann eher gemächlich zum
Gipfel hinaufgeht. Dort existiert zwar kein Kreuz, dafür eine große
Antenne!
Aber der Blick in sämtliche Himmelsrichtungen entschädigt für alles: Im
Norden kann man die Hauptstadt erkennen und nach Süden hin öffnet sich
der Blick auf die weite Ebene von Mafasca, in der Triquivijate und
weiter östlich auch Antigua auszumachen sind.
Besonders spätnachmittags leuchtet die Ebene in den verschiedensten
Farbtönen, von Gelb über Grün und Braun bis zu einem intensiven Rot.
Direkt im Süden sieht man den “Montaña del Negrito” (282 m) und dahinter
schließt sich der Bergzug “Cuchillete de Buenavista” an. Der Name
Cuchillete bedeutet übersetzt 'Messerchen' und bezeichnet den schmalen
Kamm aus dünnen, basaltigen Lavaschichten, der hier dem sanft
ansteigenden Sockel aus (widerstandsfähigeren) Agglomeraten aufliegt.
Die Form wurde vor allem durch die Erosionskraft des Windes ausgeprägt.
Der „Rosa del Taro“ gehört zum Gebiet der “Cuchillo de Palomares”, bei
dem der scharfe Kamm aber nicht so klar zu erkennen ist. Linkerhand kann
man den Pinien gesäumten Weg nach Costa de Antigua (Nuevo Horizonte) als
Orientierung erkennen, so dass auch südlich davon Caleta de Fustes mit
seinem bebauten “Montaña Blanca de Abajo” auszumachen ist. Im Südosten
erblickt man die “Caldera de Gairia” , den 461 Meter hohen
Einsturzkrater.
Einen ganz ungewöhnlichen Blick gibt es im Westen zu bestaunen, wo ein
kleiner See hervorsticht, auf dem bei näherer Betrachtung auch Enten zu
sehen sind. Zwar lädt der Platz am Straßenrand nicht gerade zum
Verweilen ein, doch bietet der Anblick des Gewässers eine willkommene
Abwechslung zur sonstigen Trockenheit der Insel.
CALETA DE FUSTES
Caleta de Fustes ist die wirtschaftlich bedeutendste Siedlung der
Gemeinde Antigua. Fast der gesamte Übernachtungstourismus des Bezirks
findet in der weitläufigen Feriensiedlung statt. 16.000 Betten sprechen
hier eine deutliche Sprache. Zwar ist Caleta de Fustes heute ein
typischer Tourismusort, der fast nur zu diesem Zweck konzipiert wurde,
durch seine größtenteils flache und unaufdringliche Bebauung ist er
jedoch sehr ansehnlich und wirkt einladend. Dafür sorgen auch die
zahlreichen Grünpflanzen, einerseits die in den Clubanlagen,
andererseits aber auch die von der Gemeinde angepflanzten Palmen an der
Strandpromenade. Vor allem bei Familien mit Kindern ist die Urbanisation
eine beliebte Ferienregion, da der flache, gut geschützte Strand ein
sicheres Baden garantiert.
Caleta de Fustes kann zwar bis zu 16.000 Gäste beherbergen, dauerhafte
Residenten gibt es hier aber nur etwa 2000. Dabei handelt es sich
weniger um Spanier, sondern vor allem um Engländer, die aber auch nicht
unbedingt dauerhaft ihren Wohnsitz in Caleta de Fustes haben müssen,
sondern lediglich hier gemeldet sind. Einheimische können sich den
Lebensstandard in Caleta de Fustes kaum leisten, so dass die meisten der
Arbeitnehmer in den Hotels und Gaststätten Pendler sind, die jeden Tag
aus Antigua, Triquivijate oder anderen Gemeinden der Umgebung zur Arbeit
fahren. Damit ist Caleta de Fustes also eine Art Wohnstätte für
Touristen und ausländische Residenten, für Einheimische fungiert Costa
Caleta, wie Caleta de Fustes jetzt auch genannt wird (wegen der für
Engländer schwierigen Aussprache), aber nur als Arbeitsstätte und
städtisches Zentrum mit großem Einzugsradius.
Historische Entwicklung
Anfang des 18. Jahrhunderts standen kaum Häuser im heutigen
Siedlungsgebiet. Der wirtschaftliche Aufschwung Antiguas durch seine
landwirtschaftliche Produktion und der Status Fuerteventuras als
Getreide exportierende Insel ließ zur damaligen Zeit die Idee eines
neuen, modernen Hafens reifen. Im Jahre 1730 wurde der Plan in die Tat
umgesetzt.
Caleta De Fustes war neben El Tostón (dem späteren El Cotillo)
und Puerto de la Peña (heute Ajuy) einer der drei Häfen Fuerteventuras,
die von den Lehnsherren mit dem Exportrecht ausgestattet wurden. Die
beiden Überfälle britischer Piraten auf Tuineje, die aber jeweils
zurückgeschlagen wurden, verdeutlichten die Notwendigkeit, die Küste
verstärkt zu schützen. Folglich errichtete der Militärarchitekt Claudio
de Lisle zwei baugleiche Festungstürme in El Tostón und eben in Caleta
de Fustes. Zu einem Überfall auf die kleine Siedlung kam es jedoch nie.
In der Zwischenzeit hatten sich vermehrt Siedler im Hafenbereich
niedergelassen. Der Aufschwung und die politische Vormachtstellung La
Olivas brachten Caleta de Fustes im Verlaufe des 18. und 19.
Jahrhunderts aber Nachteile: Die Obersten in La Oliva wählten Puerto de
Cabras (heute Puerto del Rosario) zu ihrem Ausfuhrhafen, da hier keine
Steuern für sie anfielen. Mit der Zeit stieg die Bedeutung der heutigen
Inselhauptstadt und Caleta de Fustes stagnierte in seiner Entwicklung.
Aus diesem Grund ist auch keine gewachsene Dorfstruktur wie in anderen
Siedlungen erkennbar, denn erst Anfang der 80er Jahre des 20.
Jahrhunderts kam es durch den aufkommenden Massentourismus zum
neuerlichen Wachstum der Gemeinde. Bis dahin blieb der Ort aus wenigen
Häusern bestehen und war den meisten Inselbewohnern nur aufgrund des
Restaurants “Frasquita” ein Begriff. In dem kleinen Haus wurde
fangfrischer Fisch verkauft und auch zubereitet. Die Qualität sprach
sich schnell auf der ganzen Insel herum. Obwohl die damalige Besitzerin
leider verstorben ist, existiert das Restaurant heute an anderer Stelle
in Caleta de Fustes weiter (am südlichen Teil der Strandpromenade), so
dass Fischliebhaber immer noch voll auf ihre Kosten kommen.
Die Entwicklung zum Urlaubsort
Im Jahre 1980 entdeckte die deutsche Immobilienfirma “Inver Canary” das
Areal hinter dem Castillo, dem Verteidigungsturm. Sie kauften das Gebiet
und begannen ein Jahr später damit, eine kleine Apartmentanlage zu
errichten.
Doch der große Wachstum der Gemeinde setzte erst mit den 90er Jahren
ein: Ab dem Jahrzehntwechsel entstanden die ersten Bungalowkomplexe in
Richtung Norden (dem heutigen Costa de Antigua) und zwischen Strand und
Durchgangsstraße. 1991 entstanden die ersten Wohneinheiten auf der dem
Meer abgewandten Seite der Hauptverkehrsstraße.
Costa Caleta, El Castillo, oder doch Caleta de
Fustes?
In diesem Zusammenhang möchten wir kurz Aufklärung bezüglich des
Ortsnamen betreiben, da auch in der Reiseliteratur immer wieder die
verschiedensten Bezeichnungen verwandt werden.
Das Areal um den Hauptstrand herum bis zur Calle Alcalde Juan Evora
Suárez im Norden und bis zur Hauptstraße wird in der Stadtverwaltung als
“Caleta de Fuste, parte 1” bezeichnet, da hier die Ortsentwicklung
begann. Das Gebiet westlich der Hauptstraße, das sich im Moment weiter
im Wachstum bis auf den Hügel “Montaña Blanca de Abajo” ausdehnt, heißt
folglich “Caleta de Fuste, parte 2”. Der nördliche Bereich mit den
Einkaufszentren Castillo, Los Arcos und Happy Shopping Center bekam den
Namen “El Castillo”. Nur 700 Meter weiter nördlich liegt die Siedlung
“Costa de Antigua”, die vielen noch als “Nuevo Horizonte” in Erinnerung
geblieben ist (hierzu später mehr).
Die drei Abschnitte "Caleta de Fuste 1 und 2“ und
"El Castillo“ bilden
zusammen die Gemeinde “Caleta de Fustes”.
Der jüngste Bereich im Süden in Richtung Las Salinas wird aufgrund des
Golfplatzes in der Regel als “Campo de Golf” oder auch als “Urbanisation
Fuerteventura Golf Club“ bezeichnet. Zu diesem Gebiet gehören auch das
“Centro Comercial Atlántíco” (Centro comercial = Shoppingcenter) sowie
die Hotels der “Elba”-Gruppe.
Aber damit nicht genug: Auf Tourismusmessen hat man sich aus
kommerziellen Gründen beim Ayuntamiento dazu entschlossen, das gesamte
Urbanisationsgebiet, einschließlich des Golfclubs, “Costa Caleta” zu
nennen. Durch diesen internationaler klingenden Namen erhofft man sich
eine bessere Vermarktungsmöglichkeit. Ein kleines weißes Schild an der
Durchgangsstraße weist auf diesen Namen hin und macht die Verwirrung
perfekt. In Reisekatalogen kann man sich also auf den Namen Costa Caleta
einstellen, die dann mit Corralejo, Costa Calma und Jandía Playa die
vier
Hauptdestinationsgebiete der Urlauber bilden.
Die nächste einschneidende Veränderung in Caleta de
Fustes trat 1995 in
Kraft, als die spanische Kette “Barceló” den Apartment-komplex von Inver
Canary aufkaufte. Sie übernahmen die bestehende Anlage und kauften
zusätzlich noch ein kleines Areal am Hafen und dem Bereich direkt
nördlich des Strandes. Damit besitzt Barceló drei verschiedene Anlagen
auf dem wohl schönsten Gebiet in Caleta de Fustes, zumal noch der alte
Wehrturm auf dem Grundstück des Clubhotels steht.
Dann passierte lange Zeit nicht viel in Caleta de
Fustes, die
Besucherzahlen stiegen langsam, aber kontinuierlich an, aber größere
Veränderungen des Siedlungsbildes sollten sich erst im neuen Jahrtausend
ereignen. Die “Elba”-Hotelkette baute gleich mehrere Hotels, darunter
das 5-Sterne-Haus “Elba Palace Golf” am 18-Loch-Golfplatz, der 2002 auf
400.000 m² Grund geschaffen wurde. 2003 eröffnete das “Centro comercial
Atlántíco”, ein zweigeschossiges Einkaufszentrum, welches das einzige
große Kino-Center (auch mit original englischsprachig vertonten Filmen)
auf der Insel beherbergt. Zum Meer hin wurde eine künstliche
Seenlandschaft mit künstlichem Strand, gesäumt von einem schönen Garten,
angelegt.
Die Sehenswürdigkeiten
Der Hauptanziehungspunkt ist der alte Verteidigungsturm, das so genannte
“Castillo”. Er war nach seiner Fertigstellung 1740 mit zwei Eisenkanonen
ausgestattet worden, aus denen aber nie ein Schuss abgegeben wurde. Der
Turm wurde zum Glück für die Bewohner nie benötigt, da keine weiteren
Piratenüberfälle mehr stattfanden. Ähnlich funktionslos wie damals ist
das Castillo auch heute: Es ist in die Clubanlage von Barceló integriert
und dient hinter dem Swimmingpool als fototrächtige Kulisse. Besichtigen
kann man ihn derzeit leider nicht, aber im Inneren befindet sich auch
nichts sonderlich Sehenswertes. Das soll sich aber bald ändern, denn die
Tourismusbehörde plant, den Turm als Museum und Ausstellungsraum
herzurichten. Dazu müssen jedoch noch Verhandlungen mit Barceló geführt
werden, da das Bauwerk sich auf deren Grundstück befindet.
Piraten
Fuerteventura hatte in seiner bewegten Geschichte einige Male mit
Piraten und Korsaren zu kämpfen: Die ersten Überfälle durch Piraten sind
als Gegenschläge zu den Sklavenfangexpedition einzuschätzen, welche ab
1467 unter Diego García Herrera (später taten es ihm sein Sohn und
dessen Nachfahren, die Familie Saavedra gleich) stattfanden. Dabei
sollen schätzungsweise 1000 Nordafrikaner erbeutet worden sein. Aus
Rache plünderten und brandschatzten vor allem nordafrikanische Seeräuber
unter Xabán Arráez die Insel. Im Jahre 1593 legten sie die damalige
Hauptstadt Betancuria in Schutt und Asche und zündeten die Felder in
großem Umkreis an.
Auch britische Freibeuter fielen gelegentlich auf
Fuerteventura ein. Im 18. Jahrhundert waren es englische Korsaren,
welche die Spanier zermürben sollten. Die Engländer wollten die
strategisch wichtigen Kanaren besetzen und kaperten so zunächst Schiffe,
um den Güterverkehr lahm zu legen und ließen danach einige Orte durch
die Korsaren überfallen. Ein gut ausgerüstetes Invasionskorps konnte
nach einem Angriff auf Tuineje aber zurückgeschlagen werden und ein
zweiter Stoßtrupp zwei Wochen später wurde sogar bis auf den letzten
Mann getötet. Im Anschluss ließ man die beiden Wehrtürme in El Cotillo
und Caleta de Fustes bauen, sie wurden jedoch nicht mehr benötigt, da
weitere Angriffe ausblieben. Zum Glück, denn die jeweils 4 Milizionäre,
welche die Türme besetzten, wurden nicht besoldet und kümmerten sich
daher meist mehr um ihre kleinen privaten Felder.
Die Hauptattraktion Caleta de Fustes liegt aber eindeutig neben dem
Wehrturm: Der kleine, aber sehr schöne Yachthafen.
Im Hafenbecken befinden sich verschiedene Boote unterschiedlichster
Preisklasse, darunter auch einige größere Atlantiksegler.
An der Mole kann man wunderschön entlang schlendern und einen Blick auf
das abgezäunte Becken werfen. Oder man geht weiter an der kleinen
Tankstelle am Ende der Mole vorbei auf deren äußerste Spitze und genießt
bei einer leichten Brise den wunderschönen Blick auf den Strand, die
Segelschiffe und das dahinter liegende Hafengebäude mit dem auffälligen
Kuppelturm.
Auf der rechten Seite, vom Gebäude aus gesehen, kann man den Bootssteg
hinuntergehen und in den kleinen Becken zwischen den Holzwegen einige
Fische oder auch Schildkröten bestaunen. Die interessantesten Blicke auf
diese und andere Tiere erhält man aber erst, wenn man das auf der linken
Seite befindliche “Oceanarium” betritt. Hier können Kinder und
Erwachsene in abgetrennten Becken die verschiedensten Meeresbewohner
betrachten, zudem gibt es Infotafeln, und es werden Fütterungen und
Shows abgehalten.
Besonders die kleinen Gäste zeigen bei Oktopus oder Rochen wenig
Berührungsängste. Direkt an der kleinen Promenade, an der auch der
“Minitren” hält, der durch ganz Caleta de Fustes fährt, liegt ein altes
Piratenschiff, mit gerefften, rötlichen Segeln. Der echte Papagei darf
an Bord natürlich auch nicht fehlen und lässt die Erinnerungen an Pipi
Langstrumpf und das Taka-Tuka-Land bei den kleineren Besuchern oder bei
den etwas reiferen Herren und Damen an die zahlreichen Korsarenfilme mit
Erroll Flynn aus den 40ern und 50ern zurückkommen. Auf dem Schiff finden
nach den Vorführungen Fotosessions mit dem Star des Oceanariums, Harley,
einem dressierten Seelöwen statt. Oft begleitet er die Bootsausflüge bis
ins offene Meer hinaus. Wenn er auch nicht gerade wie einer der
angesprochenen Schauspieler aussieht, so stellt er sich aber gerne für
ein Küsschen zur Verfügung.
Etwas weiter außerhalb, direkt vor dem Einkaufscenter Atlántico,
befinden sich zwei restaurierte Kalköfen sowie ein dazugehöriges Lager-
und Wohnhaus. Leider fehlen hier Informationstafeln, aber man kann auf
die Öfen hinaufklettern und den Schlot hinuntersehen. Doch wenn man
nicht einen Berg aus Müll sehen möchte, sollte man den Blick lieber
lassen.
Shoppen und (andere) 'sportliche Aktivitäten'
Caleta de Fustes bietet wie jeder typische Urlaubsort zahlreiche
Möglichkeiten der geistigen und körperlichen Zerstreuung. Da wir bereits
das "Centro Comercial Atlántico"
angesprochen haben, bleiben wir bei den zahlreichen
Einkaufsmöglichkeiten, die der Ferienort bietet. Hierbei hat man die
Qual der Wahl: Das modernste und neueste Zentrum ist das oben
angesprochene Atlántico, welches neben dem großen Kino-Center mit sechs
Sälen noch zahlreiche Boutiquen und Geschäfte, eine Parfümerie, einen
großen PADILLA-Supermarkt, einen Spielsalon, eine Bowlingbahn und
natürlich diverse Cafés, Restaurants und Bars beherbergt. Genügend
Parkplätze bietet u.a. das große unterirdische Parkhaus.
Weitere Shopping-Centers:
Das C.C. (Centro Comercial) “Castillo Centro”, direkt neben dem Büro der
Touristeninformation, ist optisch gesehen vielleicht das schönste: Im
Stile eines kanarischen Gutshofes errichtet, besitzt es einen großen
Innenhof und die schon erwähnten Holzbalkone im Mudéjar-Stil. Hier
findet man einige nette Kneipen, Schmuck, Kleidung und Elektronik. In
der Nähe befinden sich noch das C.C. “Los Arcos” sowie das C.C. “Plaza”,
vor dem man jeden Samstag von 8-14 Uhr die Angebote des Flohmarkts
prüfen kann.
Das C.C. “El Castillo” liegt etwas weiter südlich und besteht aus
mehreren Geschäften, Immobilienagenturen, Reiseveranstaltern und
Restaurants. Zwischen den Geschäften befindet sich eine Fußgängerzone,
welche die beiden Gebäude voneinander trennt und die Bebauung etwas
auflockert. Einige weitere Einkaufscenter existieren, befinden sich aber
entweder im Umbau
(C.C. “Broncemar”) oder sind weniger interessant (C.C.
“Happy Center”). Im Siedlungsbereich Caleta de Fuste, parte 2, liegt das
C.C. “Monte Castillo”.
Möglichkeiten zum Einkaufsbummel bietet Caleta de
Fustes also reichlich,
doch das Shoppen bedeutet ja gerade für den männlichen Teil der
Bevölkerung eher Anstrengung als Entspannung. Daher sei es uns als
Angehörige des männlichen Geschlechts verziehen, wenn wir im gleichen
Atemzug andere “Sportmöglichkeiten” in Caleta de Fustes nennen:
Sport
Direkt an der Strandpromenade befindet sich die Surfschule “Fanatic Fun
Center”. Der Strand von Caleta de Fustes eignet sich wegen der
geschützten Bucht ideal für Surf-Anfänger. Neben Materialverleih und
Unterrichtsstunden (auch auf deutsch) bietet das Surfcenter einen
speziellen Family-Tarif: Paare mit kleinen Kindern können sich die
Stunden teilen, so dass jeweils ein Elternteil auf das Kind aufpassen
kann, während der andere auf dem Wasser ist.
In unmittelbarer Nähe kann man Jetskis mieten oder Schnorcheltrips
buchen. Wer noch tiefer in die unbekannte Welt des Ozeans hinabtauchen
möchte, der ist beim Dive Center “Deep Blue” genau richtig: An 365 Tagen
im Jahr werden Kurse (auch auf deutsch) oder einzelne Tauchgänge an etwa
16 verschiedenen Tauchplätzen, den so genannten “divespots” angeboten.
Bootstouren bietet das “Oceanarium” auf dem angeblich größten Katamaran
der Welt. Entweder kann man für gut zwei Stunden auf dem Sonnendeck
relaxen, nach frei lebenden Delfinen und Walen Ausschau halten oder
einfach die schnelle Fahrt des Bootes
genießen, welches sanft durch die Wellen gleitet. Im Programm befindet
sich auch die mehr als 4-stündige Fahrt in die herrliche Bucht von Pozo
Negro, wo man ein Dinner serviert bekommt und wo die Möglichkeit
besteht, sich mit dem Schnorchel-Equipment des Oceanariums auf
“Schildkrötenjagd” zu begeben. Ein wirklich einmaliges Erlebnis. Etwas
günstiger, aber kaum weniger eindrucksvoll ist die Fahrt mit dem
Glasbodenboot durch das Hafenbecken.
Am Yachthafen lassen sich zudem noch Jetskis, Tretboote, Kajaks und
Paddelboote mieten. Auch spaßige Fahrten auf der “Banane” werden
angeboten.
Mountainbikes oder Motorräder können bei “Moto MMI” bei der
Apartmentanlage “Puerto del Sol”, die im Norden Caleta de Fustes liegt
(also im Teil “El Castillo”), gemietet werden. Dem Wanderfreund bietet
die Informationsbroschüre des Tourismusbüros einige Routen als Vorschlag
an (darunter den Pilgerpfad von Antigua nach Betancuria). Ansonsten
empfehlen wir die interessante Wanderung in den “Barranco de la Torre”
(siehe weiter unten!), oder für erfahrenere Hiker den Aufstieg auf den
“Rosa del Taro” (siehe weiter oben!) oder auf die 461 Meter hohe
“Caldera de Gairía” (manchmal auch als “Caledera de Agua de Bueyes”
bezeichnet). Festes Schuhwerk ist für alle Touren wegen der
Untergrundbeschaffenheit empfehlenswert.
Wer nicht selbst wandern möchte, kann sich am Strand zu einem Kamelritt
entscheiden. Ein Ritt kostet 10 Euro.
Golf
Wer es etwas komfortabler mag, dem bietet der “Fuerteventura Golf Club”
die Gelegenheit, seine Künste in der Sportart Bernhard Langers unter
Beweis zu stellen. Für die 18 Löcher auf dem Par 70-Cours muss man aber
auch mehr als 6 Kilometer hinter sich bringen, es sei denn, man mietet
sich einen Caddy-Wagen.
Der herrliche Platz mit drei künstlichen Seen und mehreren Bächen ist in
bestem Zustand und verfügt zusätzlich über eine Driving Range sowie ein
Putting Green, um sein Lochspiel zu verbessern. Der Parcours endet am
Clubhaus mit Restaurant, Bars und großer Terrasse.
Wer nach so viel Sport Entspannung braucht, muss in Caleta de
Fustes
nicht lange suchen: Das “Thalaventura” in unmittelbarer Strandnähe ist
eine Wellness-Therme, wo man neben einem Meerwasserbecken, Whirlpools
und einer Saunalandschaft auch Massagen oder sonstige Anwendungen in
Anspruch nehmen kann.
Gastronomie
Caleta de Fustes bietet für jeden Gaumen etwas. Kinder werden
wahrscheinlich den Eltern mit dem Wunsch in den Ohren liegen, die auf
Fuerteventura einzigen Franchisebetriebe der großen Fast-Food-Ketten
“McDonalds” und “Burger King” aufzusuchen.
Wer aber doch lieber etwas gesünder und vor allem einheimischer speisen
möchte, dem ist das weiter oben angesprochene
Fischrestaurant “La Frasquita” ans Herz zu legen, das in Strandnähe beim
“Thalaventura” beheimatet ist.
Etwas teurer, aber sehr gut ist das Restaurant “Puerto Castillo”, direkt
am Yachthafen. Gehen Sie einfach abends die Treppe im Kuppelturm hoch.
Sehr gute Kaffee- und Kuchen-Variationen bietet das “Café Mozart” im
“Centro comercial Atlántico”. Von dessen Terrasse, auf der auch andere
Restaurants und Cafés beheimatet sind, hat man auch einen herrlichen
Ausblick auf die Bucht und den künstlichen See.
Am Abend bietet sich zum Flanieren und Einkehren die Straße “Juan Rámon
Soto Morales” an, an der auch das Büro der
Touristeninformation liegt. Hier kann man sich an den zahlreichen
Leuchtreklamen orientieren und eine kulinarische Weltreise von Mexiko
über China und Indien bis Griechenland unternehmen — wobei letzteres
durch das Restaurant “Syrtaki”, direkt gegenüber der
Touristeninformation, hervorragend vertreten wird.
Echt kanarisch hingegen ist die Küche des “Típico Canario” im
Einkaufscenter “El Castillo”.
Nachtleben
Ähnlich wie bei den Restaurants bietet auch das Nachtleben von Caleta de
Fustes für jeden Geschmack etwas: Die Vielzahl von britischen Kneipen
und Pubs mit ihren Sportübertragungen sind da nur ein Beispiel. Am Abend
bieten die meisten Karaoke oder Livemusik an. Sehr zu empfehlen für
Oldie-Liebhaber ist die Bar “The Cavern” am Yachthafen. Hier spielt
fünfmal die Woche Frank Young, der vielen noch als Mitglied der
legendären Hermans Hermits (mit ihrem Hit “No milk today”) in Erinnerung
sein dürfte. Hier tummelt sich ein gemischtes Publikum bis spät in die
Nacht. Gehen Sie hin und schwingen Sie das Tanzbein oder schauen Sie
einfach zu, wie Frank Young die Menge zum Toben bringt.
Gegenüber dem Einkaufszentrum “Castillo Centro” haben sich die beiden
zur Zeit sehr angesagten Kneipen “Havana Bar” und “Tequila Bar”
angesiedelt. Hier trifft sich vor allem das jüngere Publikum zu
Cocktails, Bier und eben Tequila. Bei den Einheimischen ist zu
fortgeschrittener Stunde der Pub “Whikis” im Untergeschoss des Centro
Comercial “Castillo Centro” beliebt. Ansonsten wird man schnell selbst
fündig.
Die jüngste Entwicklung
und die Planung für die Zukunft
Im Moment kommen im Jahr etwa 120.000 Urlauber nach Caleta de
Fustes,
die Zahl der Betten stieg auf 16.000 an. Eine riesige Zahl, wenn man
bedenkt, dass die erste Hotelanlage erst 1981 fertig gestellt wurde.
Diese Bedeutung des Tourismus für den gesamten Gemeindebezirk zeigt sich
daran, dass etwa 80% der Einnahmen des Verwaltungsgebietes direkt oder
indirekt aus dem Fremdenverkehr stammen. Diese Bedeutung des Tourismus
zeigt sich auch an den Zahlen auf dem Arbeitsmarkt: Im Jahre 2002 gab es
im Verwaltungsbezirk Antigua gut 3000 Stellen, wovon knapp 74 % dem so
genannten Tertiären Sektor angehörten, also alle Dienstleistungsberufe,
die Verwaltung, das Banken- und Versicherungswesen.
Diese Zahl ist soweit nicht besonders aussagekräftig, da Deutschland
auch immerhin knapp 65% seiner Beschäftigten im Tertiären Sektor zählt.
Führt man sich aber vor Augen, dass das Hotel- und Gastronomiewesen
allein fast 65 % des gesamten Tertiären Sektors auf Fuerteventura
ausmachen, so wird klar, wie sehr der Arbeitsmarkt Antiguas vom
Tourismus abhängig ist, zumal indirekt auch andere Berufsgruppen
(beispielsweise die boomende Baubranche) am Fremdenverkehr hängen.
Die heutigen Besucher von Caleta de Fustes können sich überall mit
eigenen Augen davon überzeugen, dass die Siedlung weiter wächst: Der
Hügel “Montaña Blanca de Abajo” wird seit 2004 mit neuen
Apartmentkomplexen in Beschlag genommen, inzwischen sind die Bagger
schon bis zum Gipfel vorgedrungen.
Von hier oben lassen sich andere riesige Baustellen ausmachen. Neben dem
“Centro comercial Atlántico” entstehen gleich zwei neue Hotels der
gehobenen Klasse: Sheraton baut hier das “Gran Hotel Lucia” und nebenan
baut die Elba-Hotelkette mit dem “Hotel Carlota” ein weiteres Haus.
Sheraton gehört zum amerikanischen Starwood-Konzern, der in den letzten
Jahren verstärkt auf den spanischen Markt drängt. In Caleta de Fustes hat
Starwood eine Kooperation mit “Anjoca”, der “Mutter” der Elba-Hotels,
abgeschlossen und nutzt ab der voraussichtlichen Eröffnung ihres Hauses
Ende 2005 auch den Golfplatz und alle weiteren Anlagen von Anjoca.
Auf dem gut 2 Millionen m² großen Areal dieses Konzerns stehen also in
Zukunft 4 Hotels (ein Sheraton und drei Elba-Hotels, darunter das edle
5-Sterne-Golf-Hotel) sowie zahlreiche Apartments und Villen, die zur
Zeit auf und um den Golfplatz gebaut werden. Diese zum Teil exquisit
ausgestatteten Häuser werden an Privatleute verkauft, die in der Regel
aber nicht dauerhaft in Caleta de Fuste wohnen werden. Hauptklientel
sind zur Zeit Engländer und Iren. Aber auch immer mehr Deutsche finden
Gefallen an den äußerst interessanten Projekten.
Das Gesamtvolumen der Investitionen wird auf 600 Millionen Euro
geschätzt, der Bau des Sheraton-Hotels schlägt dabei mit etwa
50 Millionen zu Buche. Anjoca zeigt sich somit auch für die wohl
durchgreifendste Veränderung in Caleta de Fuste zuständig: Im Bereich
vor dem geplanten Carlota-Hotel und dem Sheraton-Haus entstehen zwei
künstliche Sandstrände. Anjoca erhielt die Lizenz zur völligen
Umgestaltung des Küstenbereichs direkt von der spanischen Verwaltung aus
Madrid. In der Folgezeit wurde tonnenweise Gestein abgetragen.
Die Bucht ist in Zukunft durch eine lagunenartige Felsformation
geschützt. In dem so entstandenen Becken wurden zwei “Inseln” stehen
gelassen, die derzeit durch eine Holzbrücke mit dem Festland verbunden
werden. Die Baugenehmigung dafür kam ebenfalls aus Madrid, so dass man
im Bürgermeisteramt bisher noch nicht einmal die geplante Nutzung des
ebenfalls im Bau befindlichen Pavillons auf der größeren Insel kennt.
Auf Seiten von Anjoca spricht man von so genannten “Beach-Clubs”, also
wird hier eine hoteleigene Bar oder ein kleines Restaurant Platz finden.
Die massive Umgestaltung des Landstriches rief verständlicherweise die
Umweltschützer auf den Plan. Dank heftiger Proteste erzielten sie
zumindest einen Teilerfolg, denn etwa 30.000 m² der Bucht dürfen nicht
mehr bebaut werden, da hier zum Einen die oben erwähnten Kalköfen stehen
und zum Anderen eine bestimmte Muschelart in dem Bereich geschützt
werden muss.
Vom “Montaña Blanca de Abajo” sieht man zwischen dem Golfplatz und dem
weiter südlich gelegenen Küstendorf “Las Salinas” ebenfalls ein riesiges
Baugebiet (das als “Salinas de Antigua” bezeichnet wird), welches von
der Straße aus gesehen gar nicht so mächtig aussieht, da es wegen eines
Plastikzauns nicht gut einzusehen ist. Hier baut die spanische Firma
“Ramiterra” einen weiteren Golfplatz sowie einen Club oder 2
Hotelanlagen.
Stellt man sich, nach der geplanten Fertigstellung zum Januar oder
Februar 2006, den Blick auf die beiden grünen Golfplätze vor, muss diese
künstlich bewässerte Oase gerade den einheimischen Landwirten aufgrund
der immensen Kosten für die Bewässerung ihrer Felder wie eine Fata
Morgana erscheinen.
Gott sei Dank hat man den Betreibern die eigentlich geplante Bebauung
des küstennahen Abschnitts in Richtung Las Salinas
untersagt. Ursprünglich war hier die Bebauung von knapp 69.000 m²
vorgesehen, drei Hotelanlagen und ein weiteres Centro comercial sollten
hier entstehen. Trotzdem werden auch hier die Baumaschinen anrollen, zum
Glück sollen hier aber auf lediglich 11.000 m² einstöckige Privathäuser
zugelassen werden, die nicht wie Fremdkörper in der Landschaft wirken
sollen.
Die Förderung dieser Bauvorhaben hat aber einen ganz bestimmten
Hintergrund: So gilt eine Feriendestination wie Fuerteventura erst dann
offiziell als Ziel für Golfsportler, wenn sie fünf verschiedene
Golfplätze vorweisen kann. Mit den geplanten Plätzen bei Corralejo, in
Jandía Playa und Playa Esquinzo wäre die Insel bereits bald bei fünf
Plätzen und könnte somit auf mehr wohlhabende Feriengäste hoffen.
Hierbei würde ein Name wie “Sheraton” natürlich für ein entsprechendes
Prestige sorgen, was sich vor allem auf den begehrten US-amerikanischen
Markt auswirken dürfte.
Ein weiteres, kleineres Bauvorhaben ist am Hauptstrand vorgesehen: Da an
der Südspitze vermehrt Probleme mit größeren Steinen aufgetreten sind,
soll dieser Abschnitt in naher Zukunft unter großem Maschineneinsatz
verändert, sprich die Steine abgetragen und neuer Sand aufgeschüttet
werden. Zudem sollen Duschmöglichkeiten am Strand geschaffen werden.
Da die Ortschaften Caleta de Fustes und Costa de Antigua nur noch 700
Meter voneinander entfernt liegen, liegt es nahe, die Frage nach einer
Eingliederung zu stellen.
Javier Rodriguez von der Tourismusbehörde der Gemeinde meinte zu diesem
Thema, dass die beiden Orte über kurz oder lang zusammenwachsen werden.
Eine Promenade sowie eine Teerstraße verbinden die Gemeinden schon, ein
Fahrradweg soll folgen und auch der Minizug soll das frühere “Nuevo
Horizonte” anfahren. Eine weitere Straße, die von “Costa de Antigua”
parallel zur Durchfahrtsstraße nach Caleta de Fustes (und später bis Las
Salinas) führt, ist in Planung.
Der Korridor zwischen den beiden Orten soll aber nicht mit Hotels oder
Apartmentkomplexen zugebaut werden. Diesen Abschnitt hat man sich für
einen großen Freizeitpark reserviert, wobei aber noch keine genaueren
Planungen vorliegen. Es darf also noch spekuliert werden, ob vielleicht
ein Wasserpark oder ein Ozeanpark (wie einige Überlegungen lauten) hier
angesiedelt werden soll. Auch der dann angestrebte fünfte Golfplatz
scheint ein Thema zu sein. Damit wären die beiden Siedlungen miteinander
verschmolzen, ob sich dann wieder etwas an der Namensgebung ändert,
bleibt mit Spannung abzuwarten...!
Eine der wichtigsten Änderungen bezüglich der Verwaltung und
Entwicklungsplanung der Region fand vor wenigen Jahren statt: Eine
Gesellschaft, bestehend aus Vertretern der Gemeindeverwaltung und der
örtlichen Wirtschaft, wurde ins Leben gerufen, wobei letztere die
Mehrheit im Entscheidungsgremium besitzen. Dieses “Centro de iniciativas
turísticas de Costa Caleta” hat es sich zur Aufgabe gemacht, die
Ferienregion voranzutreiben und so für einen finanziellen Segen für
Unternehmern und die Gemeinde zu sorgen.
Diese Art der
Öffentlichkeitsarbeit ist einzigartig auf Fuerteventura, die enge
Verbindung von Wirtschaft und Rathaus soll Entscheidungen schneller und
leichter machen. Ergebnis ist ein umfassender Entwicklungsplan, dessen
Hauptaugenmerk auf 30 Punkte gelegt ist, die das Municipio Antigua bis
2007 zu einem noch beliebteren und attraktiveren Feriengebiet machen
sollen.
Dabei geht es um die Verschönerung der Urbanisation, die schon
angesprochene Nutzung des Castillos, die Schaffung von Parkplätzen sowie
um weitere Infrastrukturverbesserung (unterirdische Müllcontainer,
etc.), Sicherheitsaspekte und um die Anhebung des gastronomischen
Niveaus.
Ein wichtiger Aspekt der Zusammenarbeit liegt bei der Unterstützung
kleinerer Unternehmen sowie einem Fortbildungsangebot für Angestellte
und Arbeiter, um den Service zu verbessern. Eine interaktive Homepage
und ein eigenes TV-Programm runden das Konzept ab.
In dem Plan, der sich bei genauerer Betrachtung eher als Leitfaden
herausstellt, bleiben Fragen der Umsetzung jedoch offen, weshalb
abzuwarten bleibt, wie genau man die Vorhaben verwirklichen kann und
wird. Insbesondere die Ausweitung der Sprachkenntnisse von Polizei und
Servicepersonal dürfte nicht leicht umzusetzen sein. Jedoch lassen
verschiedene Bauprojekte die Hoffnung zu, dass die lobenswerten Ansätze
der Stadtplanung Wirklichkeit werden könnten.
Zu diesem Projekt gehört auch die Schaffung einer “Plaza”, eines großen
Platzes in der Nähe des Einkaufszentrums “El Castillo”, der 2007 fertig
gestellt werden soll. Langfristig will das Ayuntamiento zwar mehr
Touristen in die Region locken, die Anzahl der Betten soll aber nach der
Fertigstellung der letzten Projekte nicht mehr weiter erhöht werden. Da
die Besucherzahlen in den letzten Jahren zurückgingen, versucht man nun
anhand dieses Leitfadens, den Urlaubern mehr zu bieten. Für die
Verantwortliche für den Fremdenverkehr von Antigua, Doña Ibiza Melián
Reyes, ist es dabei besonders wichtig, die Identität der Region
herauszuarbeiten und zu promoten.
Die Planungen, insbesondere den zweiten Golfplatz betreffend, lassen
darauf schließen, dass ein zahlungskräftigeres Publikum
angesprochen werden soll.
Es bleibt abzuwarten, wohin der Besuchertrend bezüglich der Herkunft der
Urlauber geht: Waren es vor einigen Jahren etwa 40% deutsche Urlauber,
macht dieser Anteil heute, zusammen mit einigen wenigen Spaniern und in
jüngster Zeit auch Italienern, lediglich noch 20 % aus. Den Bärenanteil
mit knapp 80% stellen die britischen Urlaubern, was auch die Vielzahl an
englischen Pubs erklärt.
Ein weiterer wichtiger Planungsaspekt für die Zukunft der Region ist die
Erhöhung der touristischen Attraktivität für Familien. Hierzu sollen
zwei Kindergärten sowie eine Schule geschaffen werden. Letztere soll
Teil eines 100.000 m² großen Areals werden, das sich auf der nördlichen
Seite von Caleta de Fustes 2, also am Montaña Blanca de Abajo befindet.
Hier sollen zudem Gebäude der Stadtverwaltung, eine Bibliothek sowie das
Polizeirevier Platz finden.
Wer also das heutige Caleta de Fustes kennt und in 10 Jahren wieder
kommt, der dürfte die Urbanisation genau so wenig wieder erkennen wie
jemand, der das letzte mal Mitte der 90er in der Region unterwegs war.
LAS SALINAS DEL CARMEN
Wenige Kilometer südlich von Caleta de Fustes liegt das kleine Örtchen
Las Salinas. Die kurze Distanz zwischen den beiden Orten kann man
südlich der Playa del Castillo auch auf dem durch EU-Gelder finanzierten
Rad- und Fußweg “La Guirra” zurücklegen. Eine Anstrengung, die sich
durchaus lohnt, denn schon nach kurzer Zeit trifft man auf die weiter
oben angesprochene restaurierte Kalkbrennerei. Danach führt der Weg
weiter an der felsigen Küste entlang und an einem weiteren Kalkofen
vorbei nach Las Salinas del Carmen (kurz “Las Salinas”).
Der kleine Fischerort besteht aus etwa dreißig Häusern, die sich meist
am Hang oberhalb des kleinen, meist wenig bevölkerten Strands befinden.
Doch der Sprung ins kühle Nass ist nicht der Hauptgrund, warum man einen
Abstecher nach Las Salinas unternehmen sollte: Schon von der Hauptstraße
fällt dem aufmerksamen Betrachter eine sonderbar wirkendes Areal mit
zahlreichen abgetrennten Becken auf. In einigen steht Wasser, an den
Rändern von anderen kann man kleinere oder größere weiße Kegel
ausmachen.
Salinen
Das sind die “Salinas de El Carmen”, eine Anlage, die seit etwa 1910 zur
Entsalzung von Meerwasser dient und die dem Ort seinen Namen gab. Es
wird vermutet, dass schon die Ureinwohner Fuerteventuras die
Salzressourcen aus mehreren natürlichen Verdunstungsbecken zu nutzen
wussten, um getrocknetes Fleisch länger haltbar zu machen. Später
errichteten die Spanier mehrere Salinen, wobei die Salinas de El Carmen
die einzig noch erhaltenen und sogar betriebsfähigen Salzpfannen der
Insel sind.
Hier wird immer noch Meersalz gewonnen: Der beständige Wind an der Küste
bläst das Meerwasser bei Flut in ein Rückhaltebecken hinein, von wo aus
das Wasser in die „calentadores“, die Erwärmungsbecken, geleitet wird.
Hier sorgen die heiße Sonne sowie der warme Wind dafür, dass die
richtige Temperatur des Wassers erreicht werden kann, um es durch die
zahlreichen Gräben, die “tajos”, in die angesprochenen mehr als 100
kleineren, tiefer liegenden Becken weiter zu transportieren.
Die relativ hohen Temperaturen des kanarischen Sommers sorgen dann
dafür, dass das Wasser langsam verdunstet, zurück bleibt in den
Salzpfannen das früher als “weißes Gold” bezeichnete Salz.
Die Arbeit teilen sich drei so genannte Salzsieder, darunter Jesus und
Raimundo, die seit 8 bzw. 4 Jahren hier ihren Dienst tun, dessen Ablauf
sie uns wie folgt beschreiben: Zunächst rühren sie die zu Beginn noch
feine Salzschicht zweimal täglich um und, wenn kaum noch Wasser in den
Becken ist, fangen sie an, das Salz mit ihren Rechen vom Grund zu holen
und es zum Abtropfen nach und nach zu immer größeren Salzkegeln
anhäufen. Befinden sie das Salz für ausreichend getrocknet, bringen sie
es zum nebenstehenden Lagerhaus, wo es für Groß- und Kleinkunden in
Säcke abgefüllt wird.
Hauptabnehmer war früher eine Fischfabrik in Puerto del Rosario, die
damit Sardinen haltbar machte. Diese wurden auf das spanische Festland
und auch nach Lateinamerika exportiert.
Die Entwicklung der Tiefkühlung machte das Salz zur Konservierung aber
überflüssig Als zudem noch 1988 die Fischfabrik
geschlossen wurde, war die Salzgewinnung auf Fuerteventura eigentlich
kaum noch rentabel.
Durch EU- und UNESCO-Gelder konnten die Salinen
erhalten und neu instand gesetzt werden. Heute sind es vor allem
Restaurants, die einen Grossteil der Produktion abkaufen, um
Einheimischen und Besuchern die bekannten “Papas arrugadas” (in Meersalz
gedämpfte Kartoffelspezialität, wird mit den inseltypischen
“Mojo-Saucen” gereicht) servieren zu dürfen.
Wer das hier hergestellte weiße Gold probieren möchte, der kann kleine
Portionen im höher gelegenen Salzmuseum kaufen, welches erst im Mai
diesen Jahres seine Pforten geöffnet hat. Das nicht gerade geringe
Eintrittsgeld von 6 Euro (Kinder bis 12 Jahren frei) lohnt sich aber
vollauf, denn in drei Räumen führt man den Besuchern die mühsame Art der
Salzgewinnung sehr anschaulich vor Augen. In dem teils interaktiven
Museum kommen weder die Entstehung noch die frühere Bedeutung des Salzes
zu kurz.
Hierbei wird Salz jedoch nicht nur als Ware betrachtet, sondern auch
seine Funktionen in Mythen, im Aberglauben sowie in Religionen (als
Opfergaben), Riten und Bräuchen (wie bei den Sumo-Ringern in Japan)
beleuchtet. Eingefleischten Fuerte-Fans dürfte das Salz auch schon an
den Himmelfahrts-Prozessionen auf dem Eiland begegnet sein, wo es, bunt
gefärbt, beispielsweise in Antigua für prächtige Teppiche auf Straßen
oder Hügeln genutzt wird und die auf anderen Inseln oder Ländern
benutzten Blumen ersetzt, welche ja hier nicht gerade häufig vorkommen.
Wer sein Liebesleben aufpeppen möchte, dem empfiehlt das Museum — na
klar — Salz: Der Glaube daran, dass das weiße Pulver ein Aphrodisiakum
darstellt, zeigt sich schon an der griechischen Göttin Aphrodite, die
nicht nur die Göttin der Liebe, sondern eben auch des Salzes war.
Vielleicht kommt daher ja auch die alte Weisheit, dass ein verliebter
Koch das Essen versalzt...
Im Außengelände des Salzmuseums befindet sich ein Kalkbrennofen, ein so
genannter „Horno de Cal“. In der Zeit von Oktober bis März, in der
aufgrund der schwächeren Sonneneinstrahlung kein Salz produziert werden
kann, wurde und wird Kalk produziert, um die Salinen und die nebenan
befindliche Zisterne instand zu halten.
Kalkbrennöfen
Kalk gibt es in größerem Maße auf den Kanaren nur auf Fuerteventura. In
der Regel handelt es sich dabei um einen fossilen Strand oder
Meeresboden, der durch tektonische Hebung heute über dem Meeresspiegel
liegt. Kalk war Jahrhunderte lang ein wichtiges Ausfuhrprodukt und wurde
zur Düngung der Felder und zum Häuserbau verwendet.
Es existieren zwei Arten von Brennöfen, die industriellen, die mit Kohle
betrieben und ab dem 19. Jahrhundert eingesetzt wurden, oder die
individuellen, die mit Holz befeuert wurden. Durch die letzteren kam es
zur Abholzung der natürlichen Vegetationsdecke auf Fuerteventura, leider
ohne Wiederaufforstung. Es gibt runde, quadratische oder rechteckige
Öfen unterschiedlichster Größe.
Ab 1900 konnte man Kalk dann billiger im Ausland erwerben. Zudem löste
Zement den Kalk als Baumaterial ab, was zum Niedergang der Produktion
auf Fuerte führte.
Highlight des festlichen Jahres in Las Salinas ist der 16. Juli, an dem
der Schutzpatronin der Fischer, die Nuestra Señora del Carmen, mit
festlich geschmückten Booten in einer Art Prozession auf dem Meer
gedacht wird.
Wal-Skelett
Nördlich vom Strand, direkt hinter den Entsalzungsbecken, steht ein
ausgestelltes Walskelett, welches man, vom Süden kommend, schon von der
Hauptstraße ausmachen kann.
Das etwa 19 Meter lange Säugetier wurde am 15. April 2000 in der Nähe
von Majanicho im Nordwesten Fuerteventuras angeschwemmt. Anschließend
wurde das 60-Tonnen-Weibchen von der Organisation “Canaria Conservation”
mumifiziert, präpariert und restauriert. Nach drei Jahren Arbeit wurde
das Skelett dann an seinen jetzigen Standort gebracht.
Der Grund für das häufige Verenden dieser Tiere an den kanarischen
Küsten ist nicht eindeutig bekannt, aber mehrfach wurde der Gebrauch von
Sonargeräten bei Militärübungen an den Küsten der Kanarischen Inseln mit
dem Massensterben von Delfinen und Walen in Verbindung gebracht (wir
berichteten in der letzten Ausgabe). Auch die zunehmende
Meeresverschmutzung, insbesondere durch Chemieabfälle, bedrohen die
Tiere.
Wer nach dem vielen neuen Wissen eine Stärkung benötigt, kann ins “Los
Caracolitos” einkehren, ein preiswertes Lokal, das vor allem für seine
Langusten bekannt ist, aber auch sehr gute Tapas anbietet, oder man kann
weiterfahren über die staubige Piste (Geländewagen oder Mountainbike)
Richtung Süden nach Puerto de la Torre, wo Schiffe einst Kalk an Bord
nahmen. Der kleine, dunkelsandige und leicht kiesige Strand lockt an den
Wochenenden vor allem Einheimische. Unter der Woche wirkt die Ansammlung
von Wohnwagen, verfallenen Häusern und provisorischen Behausungen eher
wie eine Geisterstadt. Auch der Turm (spanisch “torre”), der dem Örtchen
seinen Namen gibt, ist von Küstenseite kaum noch als solcher
auszumachen, vom Land her betrachtet, gibt er aber ein schönes Fotomotiv
ab.
Auf den umliegenden Hügelketten und in Küstennähe fallen einige flache
Bauten ins Auge: Hierbei handelt es sich um Bunker aus dem 2. Weltkrieg,
die von Franco aus Angst vor einer Invasion der Alliierten errichtet
wurden.
Barranco de la Torre
Wer ein etwas anderes Fuerteventura mit allen Sinnen erleben möchte, dem
empfiehlt sich eine Wanderung in den “Barranco de la Torre”. Das
ausgetrocknete Flussbett, durch das eine Piste zu weiter im Hinterland
liegenden Fincas und Ziegenfarmen führt, zeigt, wie sporadisch
anwesendes Wasser den fruchtbaren Boden ergrünen lässt.
Gesäumt von
Palmen, die von weither betrachtet das Flair einer Wüstenoase entstehen
lassen, führt der Weg weiter an einem alten Brunnen und einigen, meist
aufgelassenen Feldern vorbei. Auf der rechten Seite wird der Barranco
von einer Felswand begrenzt. Hier lassen sich sehr schön die Kräfte der
Natur sehen und spüren, denn der Basalt (aus der zweiten Eruptionsserie
von vor 2,4 bis 2,9 Millionen Jahren) hat sich hier zu so genannten
Basaltsäulen verformt. Die Trennflächen zwischen den einzelnen Säulen
entstehen dadurch, dass die heiße Lava ein größeres Volumen als das dann
erkaltete Basaltgestein hat. Bei der Abkühlung der Lavamassen entsteht
daher eine Zugspannung. Ist diese groß genug, reißt das Gestein in
dieser sehenswerten Form auf.
Vor diesem Panorama bietet sich ein kleines Picknick an, bei dem man der
heimischen Natur näher kommt: Die Umgebung scheint nach frischem Stroh
zu duften, Wildkarnickel laufen durch den Barranco, über uns befindet
sich ein Falkenpaar auf der Jagd, dessen Rufe man weit durch das Tal
vernehmen kann.
An der Felswand sieht man neben vielen nistenden Vogelarten zahlreiche
der nordafrikanischen Erdhörnchen, die man fast überall auf
Fuerteventura antrifft. Bis in die 60er Jahre waren sie nicht heimisch,
doch ein seinem Besitzer “ausgebüchstes” Pärchen vermehrte sich so
rasch, dass die Vielzahl dieser Pflanzenliebhaber heute die ohnehin
spärliche Inselvegetation bedroht.
COSTA ANTIGUA
(ehemals "Nuevo Horizonte")
Alleen sind auf Fuerteventura ja eher eine Seltenheit. Umso mehr staunt
das Auge des Besuchers, wenn er durch einen der zahlreichen
Kreisverkehre nördlich von Caleta de Fustes fährt. Biegt man nämlich in
Richtung Küste ab, so fährt man, gesäumt von Pinien, direkt auf die
Feriensiedlung “Costa de Antigua” zu.
Dabei handelt es sich um eine recht junge “Retortengemeinde”, die vom
Municipio Antigua (zunächst noch unter dem Namen “Nuevo Horizonte”) als
ein zweites Caleta de Fustes geplant wurde. Der erste Spatenstich wurde
vor 15 Jahren vorgenommen. Bisher sind 15 der geplanten 25 Bauvorhaben
umgesetzt worden. Der Grund dafür, dass sich die Fertigstellung so lange
hinzieht, lag an einigen Problemen, die im Laufe der Zeit auftraten:
Einige der Bauherren gingen bankrott, so dass deren teilweise schon
begonnene Bauvorhaben einige Zeit brach lagen.
Vor wenigen Jahren kam es bei der geplanten Umstrukturierung und
Erweiterung der Siedlung zu einem handfesten Skandal (wir berichteten in
der vorletzten Ausgabe): Bauunternehmer und auch Volksvertreter sollen
sich durch Insiderwissen und Schmiergeldzahlungen bereichert haben, die
Spekulation mit dem teuren Boden brachte diesen enormen Profite. Das
ganze flog auf, als ein leer ausgegangener Unternehmer die Bombe zum
Platzen brachte.
Die Vorwürfe gegen die Verwaltungsbeamten und auch den Bürgermeister des
Kreises lauteten auf Annahme von Bestechungsgeldern in Höhe von 2 Mio.
Euro, Bestechung, Vorteilsnahme, Betrug und Amtspflichtverletzung. Bis
zu vier Jahre Gefängnis forderte der zu-ständige Staatsanwalt. Das
endgültige Urteil steht noch aus.
Das daraus und aus der Bauverzögerung resultierende Negativimage des
Projektes verleitete die Behörden zu dem Namenswechsel von “Nuevo
Horizonte” in “Costa de Antigua”, doch der alte Name ist immer noch auf
einigen Straßenschildern zu lesen.
Leider hat man bei der Planung vielleicht außer Acht gelassen, dass die
Mehrheit der Urlauber das Strandleben nach Fuerteventura zieht, denn
eine Bademöglichkeit gibt es an dieser Küste nicht, sieht man mal von
einer künstlichen Badelandschaft ab, die aber erst mal bis auf weiteres
geschlossen hat, demnächst aber durch einen neuen Betreiber wieder
eröffnet werden soll.
Trotzdem überrascht der Ort, in dem jetzt wieder überall rege
Baubetriebsamkeit herrscht, durch die stilistischen Unterschiede der
schon fertigen Apartment- und Bungalowkomplexe. Die vielen, zum Teil
etwas verwirrenden Straßen lockern die Bebauung merklich auf, den schon
anwesenden Gästen bietet sich eine Vielzahl von (vor allem britischen)
Kneipen, dazu Supermärkte und Bäckereien. Ein Centro Comercial befindet
sich im Bau.
Schon fertig gestellt wurde dagegen die sehr schöne, am Abend durch eine
Vielzahl von Laternen beleuchtete Promenade ins benachbarte Caleta de
Fustes sowie eine kleine Verbindungsstraße.
Eine zweite Avenida nach Caleta de Fustes gehört ebenso zu den
Entwicklungsvorhaben wie der Bau eines Kindergartens, der Costa de
Antigua für dauerhafte Residenten interessanter machen soll. Ein Problem
gab es in der Vergangenheit öfter mit der hohen Kriminalitätsrate.
Verstärkte Polizeipräsenz und Kontrollen sollen dem aber ein Ende
bereiten.
Liebe Leserinnen und Leser, wir hoffen, wir konnten Ihnen diese
abwechslungsreiche Region etwas näher bringen und Ihr Interesse an den
Planspielen für die Zukunft der Gegend wecken. Einige der Entwicklungen
lassen die Hoffnung zu, dass ein Großteil der Insel weiter so
liebenswert bleibt wie bisher, andere Projekte scheinen manchmal eher
überflüssig oder negativ, doch muss man auch bedenken, dass der Erhalt
der Tradition und der Kultur in der heutigen Zeit sehr kostenintensiv
ist. Diese finanziellen Mittel können fast nur über den Ausbau der
touristischen Infrastruktur in die Kassen der Inselregierung und der
Gemeinden kommen. So schaffen neue Hotels und Golfplätze weitere
notwendige Arbeitsplätze in der Region, die daraus resultierenden
Steuern können bei sinnvoller Verwendung dann sowohl Einheimischen als
auch Touristen zugute kommen.
Projekte wie die Verschönerung der Plazas oder das Salzmuseum sind ein
gutes Zeichen dafür. Die vorgestellte Region liegt also im Spannungsfeld
zwischen Erhalt von traditionellem Erbe und den Notwendigkeiten
weltwirtschaftlicher Verstrickungen. Besuchen Sie diese spannende Gegend
und bilden Sie sich selbst ein Urteil.
Viel Spaß auf Ihrer persönlichen Entdeckungstour wünscht Ihnen Ihr
Fuerte Fan Magazin!
Fotogalerie (44
kommentierte Bilder)
vom Gemeindegebiet Antigua
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Die restaurierte Getreidemühle von Antigua Altes Herrenhaus in Antigua Ziegenkäsesorten aus Antigua Blick auf die Kirche von Antigua Stickereischule in Antigua Friedhof von Triquivijate Kapelle in Agua de Bueyes See am Fuß des "Rosa del Taro" Das Tal vor dem "Rosa del Taro" Blick vom "Rosa del Taro" Badebuch und Jachthafen von Costa Caleta Badebuch und Jachthafen von Costa Caleta Strandabschnitt von Costa Caleta Strandabschnitt von Costa Caleta Strandabschnitt von Costa Caleta Jachthafen von Costa Caleta Auch Jetskis kann man hier mieten Attraktion am Jachthafen: das Oceanarium Bootsausflug auf dem großen Katamaran Alter Wehrturm und Poollandschaft im Hotel "Barcelo El Castillo" Shopping Center in Costa Caleta Shopping Center in Costa Caleta Shopping Center in Costa Caleta Shopping Center in Costa Caleta Shopping Center in Costa Caleta Der Minitren verbindet alle Teile der Feriensiedlung Künstliche Lagunenstrände vor dem Shopping Center Atlántico Golfplatz, Shopping Center "Atlántico" und künstlich angelegte Badebucht von Costa Caleta Künstlich angelegter See vor dem Shopping Center "Atlántico" Shopping Center "Atlántico" Kreisel vor dem Shopping Center "Atlántico" Alte Kalkbrennöfen südlich vom Shopping Center "Atlántico" Costa Antigua (ehemals "Nuevo Horizonte") Salinen in Salinas del Carmen (im Hintergrund das Salzmuseum) Salinen in Salinas del Carmen (im Hintergrund das Salzmuseum)
Salinen in Salinas del Carmen (im Hintergrund ein Walskelett)
Strand am Barranco de la Torre
Die restaurierte Getreidemühle von Antigua
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