Aktuelle Fuerteventura Kurznachrichten

(zusammengestellt am 17.10.2003)

Persönliche Differenzen auf Kosten der Steuerzahler?

Das beste Beispiel bieten uns dieser Tage die Kindereien zwischen dem ‘Ayuntamiento de Pájara’, einer der südlichen Gemeindeverwaltungen, und dem ‘Cabildo Insular de Fuerteventura’, der Institution zur Verwaltung der Insel Fuerteventura.

Bei dem Streit geht es um noch ausstehende Aufräumungsarbeiten zum Abschluss der Wiederherstellung des Feuchtgebietes an der Playa de Jandía.

Von Seiten der Inselverwaltung sieht man einen klaren Verstoß gegen geltendes Gesetz, das keine Eingriffe in jenes ‘bereits fertig gestellte’ Gelände ohne besondere Genehmigung — welche unter anderem vom Cabildo abgesegnet sein müsse — erlaubt, da es sich um eine der auf den Kanaren ökologisch wichtigsten und unter Naturschutz stehende Zone handelt.

Als Vertreter der jeweiligen Institutionen sind, auf der Seite der südlichen Kreisverwaltung, der neue Abgeordnete in Sachen Gemeinde-Bauarbeiten, Guillermo Concepción, der die Anweisung zum Entfernen der Schuttreste gegeben habe - Gerümpel, Müll und Steine, die sich im Laufe mehrerer Jahre in der Nähe einer Strandbar angesammelt haben und die von der vorhergehenden Verwaltung (wir erinnern: im Mai diesen Jahres waren Kreis- und Gemeindewahlen, die einen Machtwechsel im Gemeindekreis Pájara zur Folge hatten) zu entfernen wohl ‘vergessen’ worden seien.

Dem entgegen hält der neue Abgeordnete für Umweltfragen im Cabildo Insular, Lázaro Cabrera, es würden dort illegale Arbeiten seitens der Verwaltung im Süden stattfinden. Pikant ist jene Konstellation, wenn man weiß, dass jener neue Abgeordnete für Umweltfragen der Inselregierung eben jenes Amt des Verantwortlichen für Gemeinde-Bauarbeiten vor den Wahlen innehatte - und über den ‘Streitpunkt’ eigentlich besser informiert sein müsste.

El ‘Saladar de Jandía’, eine Salzmarsch, die mit Mitteln aus Fonds der Europäischen Union im Laufe der vergangenen Jahre restauriert und rehabilitiert wurde, ist ein laut dem Programm ‘Life - Nature of the EU’ unter Naturschutz gestelltes Gelände,  und alle Veränderungen in jenem Gebiet sind strengen Kontrollen und aufwendigen Erlaubnisverfahren unterworfen. Die Wiederherstellung der Salzmarsch ist ein ökologisch wichtiger Ausgleich für unsere ansonsten von der Zerstörung allerorts stark gebeutelte Umwelt. Die Arbeiten im ‘Saladar de Jandía’ wurden mit der offiziellen Übergabe an die Gemeinde Pájara zu deren Erhalt und Konservierung im Juni diesen Jahres eigentlich beendet.

Nach tiefer gehenden Nachforschungen und Auskünften beteiligter Parteien, scheint der Streitpunkt ‘Gerümpelberg’ sich zudem - nach ‘neuesten’ Erkenntnissen - außerhalb jener festgeschriebenen Naturschutzzone zu befinden, allerdings auf öffentlichem Grund und Boden. Diese Entrümpelung bedarf zwar auch einer Erlaubnis , doch wer sollte die Genehmigung erteilen, wenn nicht der eigene Gemeindekreis, dem die Aufgabe zum Erhalt und zur Sauberkeit jenes Geländes und der Strände doch übertragen wurde? Laut Aussage des Bürgermeisters von Pájara ist jener Schutthaufen einer der Gründe, weswegen den Stränden von Jandía die ‘blaue Fahne’, eine Auszeichnung der Europäischen Union für, unter anderem, saubere Strände, dieses Jahr verwehrt wurde.

Zur Groteske entwickelt sich jenes ‘Hin und Her’ allemal. Auf einer Veranstaltung dieser Tage auf der Insel ‘El Hierro’ würdigten sich jene ‘Streithähne’ keines Blickes. Sollte hier mit dem Entfernen von einem runden Tausend Sonnenliegen an den Stränden seitens der Regierung in Pájara nicht eine Retourkutsche erteilt werden? Jene Sonnenliegen, die ohne Erlaubnis aufgestellt worden waren (von wem wohl?) und deren Vermietungserlös am Staatssäckel vorbeifließt...? Señor Guillermo Concepción, der in seiner Funktion als Abgeordneter der Gemeinde Pájara hinter jenes ‘Geld-Vorbeischleusen’ kam und die Anweisung zum Entfernen jener Liegen gab, scheint damit in die Schusslinie seines Vorgängers gekommen zu sein. Er kommentierte jedoch guten Gewissens, nach Rücksprache mit der Rechtsabteilung der Verwaltung in Pájara, er sehe keine Hindernisse zum Abschluss der angefangenen Arbeiten und, mit einem Schmunzeln fügte er noch hinzu, die Genehmigung zum Aufstellen und Betreiben der beseitigten Sonnenliegen würde demnächst zur öffentlichen Versteigerung kommen und der zukünftige Erlös werde dann auch den Kassen der Verwaltung gutgeschrieben...

Das ehemalige ‘Puerto de Cabras’ (Ziegenhafen) mausert sich zur echten Hauptstadt

Nach den ständigen Änderungen der Verkehrsführung in Puerto del Rosario scheint man nun die ideale Lösung gefunden zu haben. Wer hat es noch nicht bemerkt, dass fast bei jedem Besuch in der Inselhauptstadt die eine Straße plötzlich in die andere Richtung befahren werden muss, eine andere nur noch einspurig in eine Richtung geht, dass die Vorfahrtsberechtigung geändert wurde oder oder oder...

Oft verwirrend mit all dem Liniengemale auf der Fahrbahn, und oft verwundert es, dass nicht mehr dieser kleineren Unfälle zustande kamen. Doch damit soll demnächst Schluss sein. Alle Änderungen in der Verkehrsführung scheinen, im Moment zumindest, abgeschlossen zu sein. Der Grund dafür war die Vorbereitung des Innenstadtverkehrs zum Gestalten einer verkehrsberuhigten Zone - einer Fußgängerzone!

Wie schon im Probelauf am vergangenen ‘Europaweiten Tag ohne Auto’ vor wenigen Tagen, werden jene an diesem Tag geschlossenen Straßen die Fußgängerzone bilden, vielleicht mit kleinen Verschiebungen, aber die Grundkonzeption steht schon.

Die Ausführung des Plans, aufgeteilt in drei Phasen und beginnend im kommenden Jahr, soll dann im Jahre 2006 abgeschlossen sein. Demnach soll der Innenstadtkern, in der ersten Phase die Strasse ‘El Rosario’, die Verbindungstrasse des Gebäudes der Hauptstadtverwaltung zum alten Gebäude der Inselverwaltung und die Straße ‘Teófilo Martínez Escobar’, fast komplett vom Verkehr befreit werden. Die weiteren Straßensperrungen werden die Straße ‘Primero de Mayo’ mit Seitenstraßen in Richtung ‘Juan Tadeo Cabrera’ und in Richtung der Volkshochschule sein.
Auch ist eine Ausweitung des Innenstadtlinienbusverkehrs geplant, um dem ebenfalls verminderten Parkplatzangebot gerecht zu werden.

Und wieder mal war der Strom weg...

So geschehen im September und betroffen waren wieder mal all jene Betriebe in Jandía, die an das ‘öffentliche’ Stromnetz angeschlossen sind und über kein Notstromaggregat verfügen.

Schuld war wohl diesmal kein Produktionsausfall im E-Werk in Puerto, sondern eine von schwerem Grabegerät produzierte Trennung der Hauptleitung, was den Betreibern von Cafeterías, Restaurants und Bars aber einerlei ist: kein Strom - kein Verkauf - kein Geld! Und zudem noch der Verlust durch das Abtauen und Aufwärmen der Gefrier- und Kühlschränke.

Die Folge daraus sind für manch einen empfindliche Verluste von Rohmaterial wie Eier, Fisch und Fleisch. Aber auch Eis- und Crèmespeisen sind, einmal den hiesigen Temperaturen über wenige Stunden ausgesetzt, unwiderruflich für den Mülleimer bestimmt. Herbe Verluste für manche Kleinbetriebe.

Sofortige und vor allem unbürokratische Hilfe wurde von der ‘Asociación de Hostelería’ - dem spanischen Hotel- und Gaststättenverband, angesagt. Sie hob die Ungewissheit und Nervosität jener Klein- und Mittelbetriebe, die nicht die kostenintensiven und aufwendigen Installationen der Hotels vorweisen können, hervor

Mit aus diesem Grund verlangen die Regionalvertreter der sozialistischen Partei PSOE eine Visite des zuständigen kanarischen Ministers für Industrie, Handel und Neue Technologien auf unserer Insel, um sich vis-a-vis eine Vorstellung der hier herrschenden Situation machen zu können, da man, aufgrund der gestiegenen Stromnachfrage — eine Folgeerscheinung der anhaltenden Bebauung und vor allem durch große Stromabnehmer wie Hotels — um die Stabilität der Versorgung mit Elektrizität in naher Zukunft bangt.

In einem Artikel vor wenigen Wochen präsentierten wir den neuen Generator, den der einzige Stromproduzent und -lieferant auf Fuerte, die UNELCO, für die Erweiterung ihres E-Werks in Puerto del Rosario erstanden hatte. Leider steht der Zeitpunkt für die Installation jenes Generators noch in den Sternen, da der Stromerzeuger aus Mangel an Erweiterungsmöglichkeiten und wegen anhaltender Proteste der Anwohner gegen einen Ausbau des Industriewerks am derzeitigen Standort im Moment keine Möglichkeit zur Inbetriebnahme sieht.

Auch ein bereits mehrmals angekündigtes Verlegen des E-Werks scheint wohl nur ein Besänftigen der direkt benachbarten Bevölkerung gewesen zu sein, da offensichtlich noch kein Gelände zu einer Neuinstallation der Anlage erwogen, geschweige denn erstanden worden sei, so ist aus Reihen der Nachbarschaftsvereinigung ‘Las Lojas’ aus dem Viertel ‘El Charco’ zu hören, die sich lautstark über die seit vielen Jahren andauernden Lügen und Beschwichtigungen seitens der Verwaltungen beschweren.

Da die Firma UNELCO der einzige Stromfabrikant auf Fuerte sei und mit der Drohung von Produktionsdrosselung und Stromausfällen sich die Politiker scheinbar habe ‘gefügig’ machen können, fürchte man eine heimliche Akzeptanz der zuständigen Verwaltungen, die Neuinstallation besagter Aggregate auf dem alten Gelände zu genehmigen, ganz im Widerspruch zu allen Studien über negative Umweltbeeinflussung, und nicht nur der dort ansässigen Bevölkerung wegen, wie weiterhin bemerkt wurde.

Auch von Unternehmerverbänden wurde die Monopolstellung des Stromlieferanten kritisiert. Aus ihren Reihen war die Forderung an die Verwaltung zu hören, die notwendigen Schritte zur Zulassung eines Konkurrenten zu unternehmen, der den Wettbewerb auch auf Fuerteventura zum Funktionieren bringt und vor allem die (Strom-)Stabilität für die mittelständischen und Kleinunternehmen garantiert.

Nur am Rande wurde die Notiz aus Reihen der UNELCO vernommen, die eingangs erwähnte Havarie des Hauptstromkabels, welches von schweren Schaufelbaggern an einer Baustelle verursacht wurde, innerhalb von kürzestmöglichster Zeit behoben zu haben, und dass zur Zeit die meisten der Unterbrechungen der Stromversorgung nicht dem Stromversorger angelastet werden könne, sondern eben durch die anhaltenden Umstrukturierungs-maßnahmen wie dem  Neubau der Nord-Süd-Verbindung, wie auch durch das ‘Aus-dem-Boden-Stampfen’ komplett neuer Siedlungen und Hotelneubauten verursacht werden...

Mit einem von der UNELCO erst vor wenigen Monaten modifizierten Notfall-Plan, der die schnellstmögliche Beseitigung oder Reparation von Stromausfällen, gleich welcher Ursache, und den kontinuierlichen Service garantieren soll, mit einer Service-Mannschaft rund um die Uhr, während des gesamten Jahres, versucht man der häufig vorkommenden Stromausfälle Herr zu werden. Auch anfällige, ältere Teilstücke der Hochspannungskabel sind inzwischen erneuert oder werden noch erneuert und streckenweise untererdig verlegt.

Da auch die UNELCO ein wirtschaftlich rentables Unternehmen bleiben muss, kann logischerweise nicht alles auf einmal zur Zufriedenheit Aller von heute auf morgen gelöst werden, zudem vielerorts auf Fuerte längst abgeschlossene Baustellen — sowohl Ansiedlungen wie auch Hotelbauten — noch immer mit dem (billigeren) Baustrom beliefert werden und damit wirtschaften, wobei den Hauseigentümern, gerade in einigen Neusiedlungen, der teurere Normalverbraucherstrom zu dessen Tarifen in Rechnung gestellt wird - und die Differenz geht nicht in die Kassen der UNELCO... (zu diesem Thema laufen unsere Recherchen noch, um in einer späteren Ausgabe ausführlicher berichten zu können!)

 

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